Technisches Know-how rund um Dosiertechnik, Verguss und Materialverarbeitung. Erklärungen zu Viskosität, Mischungsverhältnissen, abrasiven Medien und Prozessparametern – verständlich aufbereitet für Ingenieure und Produktionsspezialisten.

Warum abrasive Medien dosieren eine eigene Disziplin ist

Wärmeleitpasten mit Keramikfüllstoffen, gefüllte Epoxidharze, Silberleitkleber oder Schleifmittelpasten: Alle diese Materialien haben eines gemeinsam. Sie enthalten Partikel, die Metalloberflächen kontinuierlich abtragen, Dichtflächen schädigen und Pumpenkomponenten in kürzester Zeit verschleißen. Wer abrasive Medien dosieren will, braucht deshalb nicht einfach irgendein Dosiersystem, sondern eine Lösung, die genau auf diese mechanische Belastung ausgelegt ist.

In der industriellen Praxis zeigt sich das Problem oft erst nach wenigen Wochen: Dosiermengen driften, Totzeiten steigen, Wartungsintervalle verkürzen sich drastisch. Dieser Artikel zeigt, wie moderne Dosiersysteme diesen Herausforderungen begegnen und welche Kriterien bei der Systemauswahl wirklich entscheiden.

Was abrasive Medien von Standardmaterialien unterscheidet

Der Begriff „abrasiv“ bezeichnet Materialien, deren dispergierte Feststoffpartikel aktiv Oberflächen abtragen. Entscheidend sind dabei drei Faktoren: die Härte der Partikel (gemessen auf der Mohs-Skala), ihre Konzentration im Medium und ihre Partikelgröße. Je härter, dichter und grobkörniger die Füllung, desto aggressiver wirkt das Medium auf alle benetzten Systemteile.

Typische Materialgruppen beim Dosieren abrasiver Medien sind:

  • Wärmeleitpasten und -kleber mit Aluminiumoxid-, Bornitrid- oder Siliziumkarbid-Füllstoffen
  • Gefüllte Epoxidharze mit mineralischen oder metallischen Zuschlägen
  • Silber- und Kupferleitkleber mit hochkonzentrierten Metallpartikelflakes
  • Schleifmittelpasten für Oberflächenbearbeitungsprozesse
  • Keramikgefüllte Vergussmassen für thermische und elektrische Isolation

DieViskosität dieser Materialien variiert stark. Manche Wärmeleitpasten fließen zähflüssig wie Honig, andere sind nahezu pastös und lassen sich kaum pumpen. Das Dosiersystem muss beides beherrschen und dabei gleichzeitig den abrasiven Verschleiß minimieren.

Verschleißmechanismen beim Dosieren abrasiver Medien

Um ein robustes Dosiersystem auszulegen, lohnt es sich, die Verschleißmechanismen im Detail zu verstehen. Drei Prozesse dominieren in der Praxis:

Abrasiver Oberflächenverschleiß

Harte Partikel im Medium wirken wie winzige Schleifkörper. Sie tragen Metalloberflächen ab, sobald diese gegeneinander oder gegen das Medium bewegt werden. Besonders betroffen sind Kolbendichtungen, Ventilsitze und Pumpenzylinder. Bei ungeeigneten Werkstoffen kann dieser Verschleiß innerhalb von Wochen zu messbaren Dosierschwankungen führen.

Erosion durch Strömungsenergie

In engen Querschnitten und bei schnellen Richtungswechseln prallt das gefüllte Medium mit hoher Energie gegen Wandflächen. Diese Erosion tritt auch dann auf, wenn kein direkter Metall-Metall-Kontakt besteht. Besonders kritisch sind Ventilsitze, Düsenaustrittsgeometrien und scharfe Umlenkungen in Schlauch- und Rohrleitungen.

Sedimentation und Entmischung

Schwere Füllstoffe neigen dazu, sich in Ruhephasen abzusetzen. Setzt sich Aluminiumoxid am Boden eines Vorratsbehälters ab, verändert sich die lokale Viskosität und Zusammensetzung des Mediums. Das Dosiersystem gibt dann kein homogenes Material mehr ab, was direkt zu fehlerhaften Dosierungen führt.

Systemanforderungen: Was ein geeignetes Dosiersystem leisten muss

Wer abrasive Medien dosieren will, stellt an das Dosiersystem Anforderungen, die weit über Standard-Applikationen hinausgehen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Kriterien:

KriteriumAnforderung bei abrasiven Medien
Werkstoffe im MedienkontaktGehärteter Stahl, Keramik, PEEK oder Hartmetall
DichtungskonzeptPartikelresistente Materialien, minimierte Spaltgeometrien
PumpenprinzipKolben- oder Membranprinzip bevorzugt gegenüber Zahnrad
TotraumgeometrieMinimiert, um Sedimentationsrisiken zu reduzieren
Rührwerk / HomogenisierungIntegriertes Rührsystem im Vorratsbehälter
ReinigungsfähigkeitGlatte, zugängliche Oberflächen für schnelle Spülung
DruckfestigkeitAusreichend für hochviskose, gefüllte Materialien

Werkstoffe entscheiden über die Standzeit

Die Wahl der Werkstoffe im mediumberührten Bereich ist der wichtigste Hebel, um abrasive Medien dosieren zu können, ohne alle paar Wochen Komponenten tauschen zu müssen. Standardmäßige Aluminium- oder Messingkomponenten versagen hier schnell. Gehärteter Stahl mit hoher Oberflächenhärte, Keramikzylinder oder PEEK-Kunststoffe reduzieren den Abrieb drastisch und verlängern die Wartungsintervalle erheblich.

Pumpenkonzept: Kolben statt Zahnrad

Zahnradpumpen eignen sich gut für saubere, ungefüllte Materialien. Bei abrasiven Medien scheiden sie meist aus, weil die Partikel das enge Zahnsystem schnell beschädigen. Kolbendosiersysteme mit definierten Totvolumina und robusten Dichtungen sind für das Dosieren abrasiver Medien deutlich besser geeignet. Sie ermöglichen präzise Volumensteuerung, lassen sich gut reinigen und ertragen höhere Partikelkonzentrationen.

Materialversorgung: Homogenität sicherstellen

Ein Dosiersystem ist nur so gut wie die Materialversorgung, die es speist. Für abrasive Medien bedeutet das: Der Vorratsbehälter braucht ein aktives Rührsystem, das Sedimentation kontinuierlich verhindert. Druckfässer mit Rührwerken oder Schlauchpumpen mit Rückführkreis sorgen dafür, dass die Partikelverteilung im Material konstant bleibt, bevor es den Dosierkopf erreicht.

Praktische Auslegung: Abrasive Medien dosieren in der Serienfertigung

In der Serienfertigung treffen mehrere Anforderungen gleichzeitig aufeinander: hohe Taktzeiten, enge Toleranzen, minimale Wartungsausfälle und reproduzierbare Dosiermengen. Für das Dosieren abrasiver Medien in diesem Umfeld haben sich folgende Konzepte bewährt:

Modular aufgebaute Materialversorgungssysteme

Modulare Systemarchitektur erlaubt es, Materialversorgung, Dosiereinheit und Applikationskopf separat auszulegen. Verschleißteile im medienkontaktierenden Bereich lassen sich so einzeln tauschen, ohne das gesamte System außer Betrieb zu nehmen. Das reduziert Stillstandszeiten und Ersatzteilkosten erheblich.

Druckgeregelte Förderung statt volumetrischer Pumpen allein

Hochviskose, abrasive Materialien lassen sich oft nicht zuverlässig allein durch eine Pumpe aus dem Gebinde fördern. Eine druckgeregelte Vorförderung, kombiniert mit einer präzisen volumetrischen Dosiereinheit, trennt die Förderaufgabe von der Dosieraufgabe. Das System fördert das Material schonend zum Dosierkopf, der dann exakte Mengen abgibt.

Dosierversuche vor der Serienfreigabe

Kein abrasives Medium verhält sich im Dosiersystem so wie sein Datenblatt erwarten lässt. Viskosität, Partikelgröße und Füllgrad beeinflussen das Fließverhalten unter Prozessdruck anders als unter Laborbedingungen. Dosierversuche mit dem tatsächlichen Produktionsmaterial sind deshalb keine Option, sondern eine Pflicht, bevor ein System in die Serie geht.

Häufige Fragen

Welche Werkstoffe eignen sich für Systemteile im Kontakt mit abrasiven Medien?

Gehärteter Stahl, Keramik (z. B. Aluminiumoxid oder Zirkonoxid) und hochleistungsfähige Kunststoffe wie PEEK haben sich bewährt. Die konkrete Auswahl hängt von der Partikelart, der Konzentration und der geforderten Standzeit ab. Dosierversuche helfen, die optimale Werkstoffkombination für das jeweilige Medium zu identifizieren.

Wie verhindere ich Sedimentation im Vorratsbehälter?

Aktive Rührsysteme im Vorratsbehälter sind der zuverlässigste Weg. Geschlossene Umwälzkreisläufe, bei denen das Material kontinuierlich in Bewegung bleibt, funktionieren besonders gut bei hochgefüllten Pasten. Eine sorgfältig ausgelegte Materialversorgung ist dabei ebenso wichtig wie das Dosiersystem selbst.

Kann ich abrasive Medien mit Standarddosiersystemen verarbeiten?

In der Regel nicht dauerhaft. Standardsysteme zeigen bei gefüllten, abrasiven Materialien signifikant kürzere Wartungsintervalle und häufigere Ausfälle. Der Mehraufwand für ein spezialisiertes System rechnet sich in der Serienfertigung schnell über reduzierte Stillstandszeiten und Ausschussquoten.

Ab welcher Partikelgröße wird ein Medium kritisch für Dosiersysteme?

Eine pauschale Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist das Verhältnis von Partikelgröße zu den engsten Spaltmaßen im System sowie die Partikelhärte. Schon Partikel im Bereich von 10-50 Mikrometern können bei hoher Konzentration und entsprechender Härte erheblichen Verschleiß verursachen. Eine individuelle Materialanalyse vor der Systemauswahl ist empfehlenswert.

Weiterführende Themen

Weiterführende Informationen

Mehr Hintergrund zum Thema Viskosität (Wikipedia).

Wenn Milligramm über Produktqualität entscheiden

In vielen industriellen Fertigungsprozessen trennt weniger als ein Mikroliter ein einwandfreies Produkt von einem Ausschussstück. Mikromengendosierung beschreibt die kontrollierte Abgabe kleinster Flüssigkeitsmengen im Bereich von 0,001 bis ca. 50 Mikrolitern pro Schuss. Wer diese Disziplin beherrscht, schützt Bauteile, spart Material und sichert die Reproduzierbarkeit über hunderttausende Zyklen.

Dieser Artikel zeigt, welche technischen Voraussetzungen eine zuverlässige Mikromengendosierung erfordert, welche Fehlerquellen in der Praxis auftreten und wie Sie Ihr System gezielt optimieren.

Was Mikromengendosierung von konventioneller Dosierung unterscheidet

Bei der Dosierung größerer Mengen, etwa ab einigen Millilitern, spielen Druckschwankungen, Materialviskosität und Nadeldurchmesser eine wichtige, aber beherrschbare Rolle. Im Mikromengenbereich hingegen reagiert das System auf kleinste Einflussgrößen überproportional stark.

Entscheidende Unterschiede im Vergleich zur Standarddosierung:

  • Oberflächenspannung: Im Mikroliter-Bereich beeinflusst die Oberflächenspannung des Materials die Abreißqualität an der Nadel stärker als der Schwerkrafteinfluss.
  • Viskositätssensitivität: Bereits geringe Temperaturschwankungen von 1-2 °C können dieViskosität und damit das Dosierergebnis merklich verändern.
  • Totraumvolumen: Jedes Totraumvolumen im Fließweg beeinflusst die Wiederholgenauigkeit und muss konstruktiv minimiert werden.
  • Fadenziehen: Viele Klebstoffe und Vergussmassen neigen im Mikromengenbereich zu Fäden, die Nachbarstrukturen kontaminieren.
  • Benetzungsverhalten: Die Substratoberfläche beeinflusst, ob ein Mikrotröpfchen an der gewünschten Stelle bleibt oder verläuft.

Diese Faktoren machen Mikromengendosierung zu einer Ingenieuraufgabe, bei der Materialkenntnis, Systemauslegung und Prozessparameter eng zusammenhängen.

Typische Anwendungsfelder der Mikromengendosierung

Mikromengendosierung findet überall dort Anwendung, wo kleinste Mengen an Klebstoffen, Dichtmassen, Schmiermitteln oder Vergussmaterialien präzise und wiederholbar positioniert werden müssen.

Elektronikfertigung und Sensorik

In der Elektronikfertigung sichert Mikromengendosierung die Verbindung von Bauelementen auf engem Raum. Typische Einsatzfälle sind das Unterkleben von Flip-Chip-Komponenten (Underfill), das Aufbringen von Leitkleber auf Bondpads sowie das punktgenaue Vergießen miniaturisierter Sensoren. Ein falscher Auftrag bedeutet hier einen Kurzschluss oder Ausfall des Bauteils.

Medizintechnik und Diagnostik

In der Medizintechnik bestimmt die Dosiergenauigkeit nicht nur die Produktfunktion, sondern auch die Zulassungsfähigkeit. Mikromengendosierung kommt beim Fügen von Katheterkomponenten, beim Beschichten von Implantaten sowie bei der Herstellung von In-vitro-Diagnostiksystemen zum Einsatz, bei denen definierte Reagenzmengen auf Trägerflächen aufgebracht werden.

Optik und Photonik

Optische Systeme erfordern blasen- und schlierenfreie Klebeverbindungen im sub-Mikroliter-Bereich. Jede Lufteinschlussstelle oder Materialinhomogenität beeinflusst Brechungsindex und Transmission. Hier gelten besonders strenge Anforderungen an Blasenfreiheit, Materialreinheit und Dosierkonstanz.

Automotive und Defense

Auch in robusten Industrieanwendungen aus dem Automotive- oder Defense-Segment gewinnt Mikromengendosierung an Bedeutung: etwa beim Abdichten miniaturisierter Steckverbinder oder beim Verguss von MEMS-Sensoren in sicherheitskritischen Systemen.

Systemtechnik: Worauf es bei der Mikromengendosierung ankommt

Ein Dosiersystem für den Mikromengenbereich besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Ein Schwachpunkt in einer einzigen Komponente reicht aus, um die Gesamtgenauigkeit zu kompromittieren.

Dosierprinzip: Kolben statt Druck

Druckbasierte Systeme stoßen bei der Mikromengendosierung schnell an ihre Grenzen. Druckschwankungen in der Materialversorgung, Viskositätsänderungen und Kompressibilität bei lufthaltigen Materialien erzeugen schwer kontrollierbare Dosiermengen. Volumetrische Kolbendosierer hingegen fördern eine definierte Materialmenge pro Hub unabhängig von Viskosität und Leitungsdruck. Das Dosierergebnis bleibt stabil, auch wenn das Material sich über die Schicht leicht erwärmt oder die Versorgungsgebinde gewechselt werden.

Systeme wie derdos piston von dosmatix arbeiten nach diesem Kolbenprinzip und sind speziell auf kleinstmögliche Totraumvolumina ausgelegt, was die Reproduzierbarkeit bei der Mikromengendosierung direkt verbessert.

Nadel- und Ventilgeometrie

Die Nadelgeometrie beeinflusst Strahlform, Abreißverhalten und Fadenneigung. Für die Mikromengendosierung eignen sich gehärtete Stahldüsen mit kleinen Innendurchmessern von 0,1-0,4 mm. Konische Nadelspitzen fördern einen sauberen Abriss, während zu lange Nadelschäfte zu elastischem Nachfließen führen können. Für noch kleinere Mengen kommen berührungslose Jet-Ventile zum Einsatz, die das Material als ballistisches Tröpfchen auf das Substrat schleudern.

Temperaturkontrolle

Viele 2K-Materialien, aber auch einkomponentige Klebstoffe, zeigen eine ausgeprägte Viskositäts-Temperatur-Abhängigkeit. Eine aktive Temperierung von Material, Schlauchleitung und Dosierventil auf ±0,5 °C ist bei der Mikromengendosierung häufig unerlässlich. Schon ein unkontrollierter Temperaturanstieg durch das Ventil selbst kann die Dosiermenge sichtbar verschieben.

Materialversorgung ohne Druckschwankungen

Eine stabile Materialversorgung ist die Basis für reproduzierbare Mikromengendosierung. Membrandruckregler, blasenfreie Leitungsführung und geschlossene Versorgungssysteme reduzieren den Einfluss von Druckimpulsen beim Behälterwechsel. Für reaktive 2K-Materialien kommt eine aktive Entgasung hinzu, um Gaseinschlüsse zu vermeiden, die das Dosiervolumen verfälschen.

Häufige Fehlerquellen und wie Sie sie beheben

Die folgende Tabelle fasst typische Probleme bei der Mikromengendosierung zusammen und zeigt gezielte Gegenmaßnahmen:

ProblemUrsacheGegenmaßnahme
Dosiermenge driftet über die SchichtTemperaturanstieg im Ventil oder MaterialAktive Temperierung einführen, Zykluszeit prüfen
Fadenziehen nach dem SchussZu hohe Viskosität, falsche NadelgeometrieNadeldurchmesser anpassen, Materialtemperatur erhöhen
Luftblasen im DosierbildGaseinschlüsse im MaterialEntgasungseinheit integrieren, Materialhandling prüfen
Positionsabweichung des TropfensSpritzwinkel, zu hohe AustragsgeschwindigkeitDüsenabstand und Austragsgeschwindigkeit optimieren
Verstopfung der NadelMaterialreaktion an der NadelspitzeSpülintervall verkürzen, Nadel mit Kappe sichern

Prozessvalidierung: Mikromengendosierung reproduzierbar machen

Ein stabiler Prozess erfordert mehr als die richtige Hardware. Die Prozessvalidierung bei der Mikromengendosierung umfasst drei Ebenen:

Materialcharakterisierung

Vor dem Einrichten des Dosiersystems sollten Sie das Material vollständig charakterisieren: Viskositätskurve über Temperatur, Topfzeit bei Verarbeitungstemperatur, Oberflächenspannung und Thixotropieverhalten. Nur wer diese Werte kennt, kann ein stabiles Dosierfenster definieren.

DOE-basierte Parameteroptimierung

Ein strukturierter Dosierversuch, der Nadelgeometrie, Temperatur, Druck und Hubvolumen systematisch variiert, liefert das optimale Parameterfenster deutlich schneller als Trial-and-Error. Dosierversuche unter realen Bedingungen, idealerweise mit dem späteren Produktionsmaterial und Substrat, sichern die Übertragbarkeit auf die Fertigungslinie.

Inline-Überwachung und Statistik

Kamerabasierte Auftragskontrolle, Wägezellenüberwachung oder Lasertriangulation ermöglichen die Inline-Verifikation der Dosiermenge. Prozessfähigkeitskennwerte (Cp, Cpk) dokumentieren die Systemleistung und decken schleichende Driften frühzeitig auf.

Mikromengendosierung: Materialauswahl beeinflusst die Systemauslegung

Das Dosiersystem und das Material müssen zusammenpassen. Die wichtigsten Materialklassen in der Mikromengendosierung und ihre systemtechnischen Anforderungen im Überblick:

  • Niedrigviskose UV-Klebstoffe (10-500 mPas): Neigen zum Verlaufen. Erfordern kurze Düsen, schnelle Ventilöffnungszeiten und sofortige UV-Aushärtung nach dem Auftrag.
  • Hochviskose Epoxidklebstoffe (5.000-100.000 mPas): Benötigen höhere Austragsdrücke und präzise Temperierung. Kolbendosierer liefern hier Vorteile gegenüber Drucksystemen.
  • Silikone mittlerer Viskosität: Zeigen ausgeprägte Thixotropie. Das Dosierbild hängt stark von der Scherhistorie im Ventil ab.
  • Leitkleber mit Füllstoffen: Füllstoffpartikel können Düsen blockieren. Mindestens der dreifache Partikeldurchmesser als Innendurchmesser der Nadel gilt als Richtwert.
  • Wärmeleitpasten: Hohe Dichte, inhomogene Konsistenz. Erfordern intensive Materialdurchmischung vor und während der Dosierung.

Häufige Fragen

Ab welcher Dosiermenge spricht man von Mikromengendosierung?

Der Begriff Mikromengendosierung wird in der Praxis unterschiedlich abgegrenzt. Gebräuchlich ist der Bereich von 0,001 bis ca. 50 Mikroliter pro Schuss. Unterhalb von 1 Nanoliter spricht man von Nanodispensing, das spezialisierte Jet-Technologien erfordert.

Welches Dosierprinzip eignet sich am besten für kleine Mengen?

Volumetrische Kolbendosierer bieten bei der Mikromengendosierung die höchste Reproduzierbarkeit, weil sie unabhängig von Viskositätsschwankungen eine definierte Materialmenge pro Hub fördern. Für berührungslose Aufträge und sehr kleine Substratbereiche sind Jet-Ventile die bevorzugte Wahl.

Wie überprüfe ich die Genauigkeit meiner Mikromengendosierung?

Die zuverlässigste Methode ist die gravimetrische Prüfung: Einzelschüsse werden auf einer Präzisionswaage gewogen und statistisch ausgewertet (Mittelwert, Standardabweichung, Cpk). Ergänzend liefern Kamerasysteme eine bildbasierte Auftragskontrolle für Positionsgenauigkeit und Tropfenform.

Wie wirkt sich ein Materialwechsel auf die Mikromengendosierung aus?

Jeder Materialwechsel, selbst innerhalb derselben Charge eines Lieferanten, kann Viskositäts- und Benetzungsunterschiede mitbringen. Vor der Produktionsfreigabe empfiehlt sich ein Kurzvalidierung mit Stichproben aus dem neuen Gebinde, um sicherzustellen, dass die Dosiermengen innerhalb des validierten Toleranzbandes bleiben.

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Mehr Hintergrund zum Thema Viskosität (Wikipedia).

Adhesive Dispensing: Warum präziser Klebstoffauftrag über Produktqualität entscheidet

In der industriellen Fertigung ist Kleben längst mehr als ein Fügeverfahren zweiter Wahl. Adhesive Dispensing, also der automatisierte, präzise gesteuerte Klebstoffauftrag, ist in vielen Branchen ein qualitätskritischer Prozessschritt. Ob Elektronikfertigung, Fahrzeugbau oder Medizintechnik: Wer Klebstoff unkontrolliert aufträgt, riskiert Ausschuss, Nacharbeit und im schlimmsten Fall Produktrückrufe.

Die Herausforderung liegt nicht im Kleben selbst, sondern in der Beherrschbarkeit des Prozesses. Viskosität, Topfzeit, Mischungsverhältnis und Auftragsmenge müssen reproduzierbar stimmen. Dieser Artikel zeigt, welche technischen Anforderungen Adhesive Dispensing in der Praxis stellt und wie moderne Dosiersysteme diese Anforderungen zuverlässig erfüllen.

Was Adhesive Dispensing in der Industrie bedeutet

Adhesive Dispensing bezeichnet den gesteuerten Auftrag von Klebstoffen, Dichtstoffen oder ähnlichen Medien auf Bauteile oder Fügeflächen. Das Spektrum reicht vom einfachen Raupenauftrag bis hin zur Mehrkomponenten-Dosierung reaktiver Systeme wie Epoxid- oder Polyurethankleber.

Automatisierte Systeme übernehmen dabei drei Kernfunktionen:

  • Förderung: Das Klebstoffsystem wird aus dem Gebinde (Kartusche, Fass oder Hobbock) zuverlässig und blasenfrei zum Dosierkopf gefördert.
  • Mischung: Bei Mehrkomponentensystemen mischt das System Harz und Härter im exakt definierten Verhältnis, direkt vor dem Auftrag.
  • Dosierung: Die gewünschte Menge wird volumetrisch, zeitgesteuert oder massebasiert auf das Bauteil aufgetragen.

Jeder dieser Schritte birgt Fehlerpotenzial, wenn er nicht messtechnisch erfasst und geregelt wird. Adhesive Dispensing schließt deshalb immer Sensorik, Regelung und Prozessüberwachung ein.

Typische Klebstoffsysteme und ihre Dosieranforderungen

Die Auswahl des richtigen Dosiersystems hängt stark vom Klebstoff ab. Verschiedene Klebstofftypen stellen unterschiedliche Anforderungen an Förderung, Mischung und Auftrag:

KlebstofftypKomponentenBesonderheiten beim Dosieren
Epoxidharz (EP)2KPräzises Mischungsverhältnis, begrenzte Topfzeit
Polyurethan (PU)2KFeuchtigkeitsempfindlich, hohe Viskositätsvariation
Silikon (RTV)1K oder 2KHohe Viskosität, Scherstabilität relevant
Cyanacrylat1KExtrem kurze Offenzeit, Mikromengendosierung erforderlich
UV-Klebstoff1KLichtgeschützte Förderung, dosierte Menge entscheidend

Für reaktive Mehrkomponentensysteme ist die Dosiergenauigkeit besonders kritisch. Schon geringe Abweichungen vom Sollmischungsverhältnis führen zu unvollständiger Aushärtung und reduzierten Festigkeitswerten. Adhesive Dispensing mit volumetrischen Kolbendosiersystemen bietet hier die höchste Reproduzierbarkeit.

Adhesive Dispensing in der Praxis: Prozessschritte und Systemkomponenten

Ein vollständiges Adhesive-Dispensing-System besteht aus mehreren Komponenten, die aufeinander abgestimmt sein müssen. Eine typische Anlage umfasst:

  1. Materialversorgung: Fasspresse oder Kartuschenhalterung fördern den Klebstoff druckgeregelt zum Dosierkopf. Lufteinschlüsse in der Materialversorgung führen zu Mengenfehlern und müssen durch geeignete Entgasungsmaßnahmen ausgeschlossen werden.
  2. Heizung und Temperierung: Viele Klebstoffe müssen auf eine definierte Verarbeitungstemperatur gebracht werden, um eine stabile Viskosität zu gewährleisten. Beheizte Schläuche und temperierte Ventilblöcke sind dabei Standard.
  3. Misch- und Dosiereinheit: Statische oder dynamische Mischer verbinden Harz und Härter. Volumetrische Dosierkolben stellen die definierte Auftragsmenge sicher.
  4. Dosierkopf und Applikationswerkzeug: Nadeln, Flachstrahldüsen oder Raupendüsen definieren die Geometrie des Klebeauftrags auf dem Bauteil.
  5. Steuerung und Überwachung: SPS-gesteuerte Systeme dokumentieren Dosiermenge, Druck und Temperatur für jede Einheit und ermöglichen eine lückenlose Rückverfolgbarkeit.

Häufige Fehlerquellen beim automatisierten Klebstoffauftrag

Selbst gut ausgelegte Systeme produzieren Fehler, wenn bestimmte Prozessparameter nicht kontrolliert werden. Die häufigsten Ursachen für Dosierprobleme beim Adhesive Dispensing sind:

  • Lufteinschlüsse in der Materialversorgung: Blasen im Klebstoff führen zu Mengenunterbrechungen und Fehlstellen im Klebeauftrag.
  • Viskositätsschwankungen: Temperaturschwankungen in der Produktionshalle oder im Lager verändern die Fließeigenschaften des Klebstoffs und damit das Dosierergebnis.
  • Mischerfehler bei 2K-Systemen: Verschlissene oder verstopfte Mischer erzeugen inhomogene Gemische mit lokal stark abweichenden Aushärteeigenschaften.
  • Nadelabrieb und Düsenverschleiß: Der Dosierpunkt verändert sich, wenn Applikationswerkzeuge nicht regelmäßig geprüft und getauscht werden.
  • Druckschwankungen in der Förderung: Ungleichmäßiger Förderdruck verursacht variierende Auftragsmengen, die erst in der Qualitätskontrolle oder beim Kunden auffallen.

Diese Fehlerquellen lassen sich durch eine systematische Prozessauslegung und den Einsatz geregelter Dosiersysteme weitgehend eliminieren. Entscheidend ist, dass das System nicht nur dosiert, sondern auch misst und regelt.

Adhesive Dispensing in anspruchsvollen Anwendungen

Besonders hohe Anforderungen an Adhesive Dispensing stellen die Elektronikfertigung und die Automobilindustrie. In der Elektronikproduktion werden Baugruppen mit Vergussmassen geschützt, Wärmeleitkleber auf Leistungselektronik aufgetragen oder Komponenten mit strukturellen Klebern gefügt. Die Dosiermengen liegen oft im Milliliter- oder Sub-Milliliter-Bereich, und die Positioniergenauigkeit des Dosierkopfes muss auf das Bauteil abgestimmt sein.

In der Automobilindustrie werden Flüssigdichtungen (FIPG, Formed-In-Place-Gasket) und Strukturkleber in großen Mengen und mit hoher Wiederholgenauigkeit aufgetragen. Hier spielen Zykluszeiten und Systemverfügbarkeit eine ebenso große Rolle wie die Dosiergenauigkeit selbst.

Ein weiteres Wachstumsfeld ist das Wärmemanagement in Elektrofahrzeugen und Leistungselektronik. Wärmeleitkleber und thermische Interface-Materialien müssen blasenfrei, gleichmäßig und in definierter Schichtdicke appliziert werden. Adhesive Dispensing verbindet hier die Anforderungen an strukturelle Verbindung und thermische Funktion in einem einzigen Prozessschritt.

Systemauslegung: Was Ingenieure vor der Auswahl prüfen sollten

Die Auswahl eines Adhesive-Dispensing-Systems beginnt nicht mit dem Katalog des Herstellers, sondern mit der genauen Analyse des eigenen Prozesses. Folgende Parameter bestimmen die Systemauslegung:

  • Welcher Klebstofftyp wird verarbeitet (1K, 2K, reaktiv, UV-härtend)?
  • Wie hoch ist die Viskosität, und wie stark schwankt sie mit der Temperatur?
  • Welche Auftragsmenge ist pro Bauteil erforderlich, und welche Toleranz ist zulässig?
  • Welche Auftragsgeometrie ist gefordert (Punkt, Raupe, Fläche)?
  • Wie hoch ist der Takt, und welche Systemverfügbarkeit wird erwartet?
  • Welche Anforderungen stellt die Qualitätssicherung an Dokumentation und Rückverfolgbarkeit?

Eine fundierte Systemauslegung erfordert in der Regel Dosierversuche mit dem realen Klebstoff unter Produktionsbedingungen. Nur so lassen sich Mischgüte, Auftragsbild und Prozessstabilität valide beurteilen, bevor eine Anlage in Betrieb geht.

Häufige Fragen

Was unterscheidet volumetrisches Adhesive Dispensing von zeitgesteuertem Dosieren?

Beim volumetrischen Dosieren bestimmt das System die Auftragsmenge durch einen definierten Kolbenhub, unabhängig von Viskosität oder Förderdruck. Das Ergebnis ist reproduzierbar auch bei schwankenden Materialparametern. Zeitgesteuertes Dosieren öffnet ein Ventil für eine definierte Zeitspanne. Die tatsächliche Auftragsmenge hängt dabei von Druck und Viskosität ab und kann bei Materialwechseln oder Temperaturschwankungen variieren.

Wie lässt sich Adhesive Dispensing in bestehende Fertigungslinien integrieren?

Moderne Dosiersysteme kommunizieren über Standardschnittstellen wie Profibus, Profinet oder EtherCAT mit übergeordneten Steuerungen. Die Integration erfolgt in der Regel über eine SPS-Anbindung und eine definierte Schnittstelle zur Anlagensteuerung. Entscheidend ist, dass das Dosiersystem Prozessdaten aktiv zurückmeldet, damit die Fertigungslinie auf Dosierfehler reagieren kann.

Welche Klebstoffe sind für automatisiertes Adhesive Dispensing geeignet?

Grundsätzlich lassen sich alle pumpfähigen Klebstoffe automatisiert dosieren. Kritisch sind sehr hochviskose Pasten, die eine Fasspresse mit beheiztem Schlauch benötigen, sowie kurzkettige reaktive Systeme mit sehr kurzer Topfzeit. Eine Materialprüfung vor der Systemauslegung ist in jedem Fall empfehlenswert.

Was kostet ein Adhesive-Dispensing-System?

Die Kosten hängen stark von der Komplexität ab. Einfache Einkomponenten-Systeme beginnen im niedrigen fünfstelligen Bereich. Vollautomatische 2K-Anlagen mit Materialversorgung, Temperierung, SPS-Steuerung und Dokumentation bewegen sich je nach Ausbaustufe deutlich höher. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sind Ausschusskosten, Zykluszeit und die Anforderungen an die Prozessdokumentation.

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Mehr Hintergrund zum Thema Klebstoff (Wikipedia).

Warum die Dosiertechnik in der Automobilindustrie besondere Anforderungen stellt

Die Dosiertechnik in der Automobilindustrie steht unter einem permanenten Spannungsfeld: Höchste Prozesssicherheit auf der einen Seite, maximale Taktgeschwindigkeit auf der anderen. Karosseriebau, Antriebssysteme, Leistungselektronik und Innenraumbaugruppen stellen jeweils eigene Anforderungen an Klebstoffe, Vergussmassen und Dichtstoffe. Wer diese Anforderungen mit einem einzigen, unflexiblen Dosiersystem abbilden will, gerät schnell in Zielkonflikte.

Dieser Artikel zeigt, welche Prozesse in der Automobil­fertigung besonders dosierrelevant sind, welche Materialien dabei zum Einsatz kommen und worauf Anlagenbauer sowie Produktionsstrategen bei der Systemauswahl achten sollten.

Einsatzfelder der Dosiertechnik in der Automobilindustrie

Die Dosiertechnik automobilindustrie-spezifisch zu denken bedeutet, eine Vielzahl unterschiedlicher Applikationen zu berücksichtigen. Die wichtigsten Felder lassen sich in vier Gruppen einteilen:

Kleben und Fügen im Karosseriebau

Strukturkleber verbinden Stahlbleche, Aluminiumprofile und faserverstärkte Kunststoffe. Diese Materialien ersetzen zunehmend klassische Schweißpunkte und erhöhen die Torsionssteifigkeit der Karosserie. Für die Dosierung kommen typischerweise hochviskose Einkomponenten- oder Zweikomponenten-Epoxidharze zum Einsatz. Das Dosiersystem muss dabei Raupen mit konstantem Querschnitt, definierter Startposition und wiederholgenauem Auftragsende erzeugen.

Flüssigdichtungen und FIPG-Applikationen

Formed-In-Place-Gaskets (FIPG) ersetzen im Antriebsstrang gestanzte Flachdichtungen. Getriebegehäuse, Ölwannen und Pumpendeckel werden mit pastösen Silikonen oder anaeroben Dichtstoffen abgedichtet. Die Dosiertechnik in der Automobilindustrie muss hier sehr feine, gleichmäßige Raupen ohne Unterbrechungen oder Überlappungen erzeugen. Selbst kleine Abweichungen führen zu Leckagen, die im Feld teuer werden.

Wärmemanagement in der Leistungselektronik

Batteriemodule, Inverter und Onboard-Ladegeräte erzeugen im Betrieb erhebliche Wärme. Wärmeleitpasten und Gap-Filler leiten diese Wärme kontrolliert ab. Viele dieser Materialien sind hochgefüllt, enthalten keramische Partikel und neigen zur Sedimentation. Das Dosiersystem muss Abrasivität und Sedimentationsneigung gleichermaßen beherrschen. Gleichzeitig sind die Dosiervolumina oft sehr groß, die Zykluszeiten aber knapp.

Verguss von Steuergeräten und Sensoren

Steuergeräte, Radarsensoren und Kamermodule werden vergossen oder mit Conformal Coatings geschützt. Dabei sind sehr kleine Volumina mit enger Toleranz gefragt. Ein Überdosieren beschädigt empfindliche Komponenten, ein Unterdosieren bietet keinen ausreichenden Schutz. Die Dosiertechnik in der Automobilindustrie muss also auch im Mikromengenbereich absolut reproduzierbar arbeiten.

Materialien und ihre Herausforderungen für Dosiersysteme

Die Materialvielfalt in der Automobil­fertigung ist erheblich. Jede Materialklasse bringt eigene Anforderungen an Förderung, Aufbereitung und Auftrag mit sich.

MaterialklasseTypische ApplikationDosierrelevante Eigenschaft
Epoxidharz (1K/2K)Strukturkleber, VergussHohe Viskosität, kurze Topfzeit bei 2K
SilikondichtstoffeFIPG, Abdichtung AntriebsstrangThixotropes Fließverhalten
Wärmeleitpasten / Gap-FillerBatterie, LeistungselektronikAbrasiv, sedimentationsanfällig
Polyurethan (1K/2K)Scheibenverklebung, VergussFeuchtigkeitsempfindlich (1K)
Anaerobe DichtstoffeGewindedichtung, FlanschabdichtungNiederviskos, kleine Dosiermengen

 

 

 

 

 

 

Für die Systemauslegung bedeutet diese Vielfalt: Ein Dosiersystem, das in der Batterie-Produktion hochgefüllte Gap-Filler verarbeitet, ist baulich anders konzipiert als ein System für niederviskose anaerobe Dichtstoffe im Getriebebau. Die Dosiertechnik in der Automobilindustrie erfordert daher häufig anwendungsspezifische Systemkonfigurationen statt Standardlösungen von der Stange.

Schlüsselanforderungen an Dosiersysteme in der Serienproduktion

Automobilzulieferer und OEM-Fertigungsstätten arbeiten in der Regel in Mehrschichtbetrieb mit kurzen Taktzeiten. Daraus ergeben sich konkrete Anforderungen an die Dosiertechnik:

  • Wiederholgenauigkeit: Dosiergewicht und Auftragsbild müssen über tausende Zyklen stabil bleiben, ohne manuelle Nachkorrektur.
  • Prozessüberwachung: Druck-, Volumen- und Mengendaten werden in Echtzeit erfasst und an übergeordnete MES- oder QM-Systeme übertragen.
  • Schnelle Materialwechsel: Produktwechsel dürfen die Gesamtanlageneffektivität (OEE) nicht signifikant beeinträchtigen.
  • Wartungsfreundlichkeit: Reinigung und Komponentenwechsel müssen ohne Spezialkenntnisse und in kurzer Zeit durchführbar sein.
  • Skalierbarkeit: Das System soll von der Pilotlinie in die Serienfertigung überführbar sein, ohne grundlegende Systemänderungen.

Hinzu kommen branchenspezifische Qualitätsnormen und Dokumentations­anforderungen. Nachvollziehbarkeit ist in der Dosiertechnik automobilindustrie-weit Pflicht, nicht Kür.

Systemkonzepte: Kolbendosierer, Zahnradpumpen und Materialversorgung

Die Wahl des Dosierorgans hängt vom Material, der geforderten Genauigkeit und dem Durchsatz ab. Drei Konzepte dominieren in der Praxis:

Kolbendosierung für 2K-Materialien

Kolbendosiersysteme eignen sich besonders für Zweikomponenten-Materialien mit definierten Mischungsverhältnissen. Sie fördern beide Komponenten separat, vermischen sie unmittelbar vor dem Auftrag und erzeugen so eine sehr kurze Leerlaufzeit vor dem nächsten Schuss. In der Dosiertechnik automobilindustrie-typisch sind dabei Volumenverhältnisse von 1:1 bis 10:1, abhängig vom Material.

Zahnradpumpen für kontinuierliche Raupenaufträge

Zahnradpumpen liefern einen sehr gleichmäßigen, pulsationsarmen Volumenstrom. Sie eignen sich für mittelviskose Materialien und lange Raupenaufträge, wie sie im Karosserie- und Getriebebau auftreten. Ihr Nachteil: abrasive, hochgefüllte Materialien erhöhen den Verschleiß erheblich.

Materialversorgung aus Fass und Hobbock

In der Serienproduktion kommen Materialien oft in 20-Liter-Hobbocks oder 200-Liter-Fässern. Eine leistungsfähige Materialversorgung stellt sicher, dass das Dosiersystem kontinuierlich und blasenfrei versorgt wird. Druckluftbetriebene Folgeplatten-Entnahmesysteme sind dabei der Standard. Für druckempfindliche oder abrasive Materialien sind angepasste Förderlösungen nötig.

Integration in automatisierte Fertigungslinien

Dosiertechnik in der Automobilindustrie ist selten eine Insellösung. Das Dosiersystem kommuniziert mit Robotersteuerungen, Kamerainspektion und übergeordneten Leitsystemen. Schnittstellen nach PROFINET, EtherCAT oder OPC-UA sind heute Standard. Die Parametrierung erfolgt über die Roboter- oder SPS-Steuerung, die Prozessdaten werden chargen­bezogen archiviert.

Für die Inbetriebnahme empfiehlt es sich, Dosierversuche unter realen Bedingungen durchzuführen, bevor das System in die Serienlinie integriert wird. Materialverhalten, Temperatureinflüsse und Robotergeschwindigkeit interagieren miteinander. Nur im realen Versuchsaufbau lassen sich diese Wechselwirkungen zuverlässig bewerten.

Häufige Fragen

Welche Materialien stellen die größten Anforderungen an die Dosiertechnik in der Automobilindustrie?

Hochgefüllte Wärmeleitpasten und Gap-Filler für Batterie­anwendungen gelten als besonders anspruchsvoll. Sie sind abrasiv, neigen zur Sedimentation und müssen in großen Volumina schnell und präzise dosiert werden. Zweikomponenten-Epoxidharze mit kurzer Topfzeit folgen auf Platz zwei.

Wie wichtig ist die Prozessdokumentation in der automobilen Serienproduktion?

Sehr wichtig. Automobilhersteller und deren Tier-1-Lieferanten verlangen lückenlose Rückverfolgbarkeit jedes Dosiervorgangs. Moderne Dosiersysteme speichern Druck, Volumen und Zeitstempel chargen­bezogen und übertragen diese Daten an MES- oder QM-Systeme.

Ab welchem Produktionsvolumen lohnt sich ein vollautomatisches Dosiersystem?

Eine pauschale Schwelle gibt es nicht. Entscheidend sind Taktzeit, Anzahl der Dosierpunkte pro Bauteil und die geforderte Wiederholgenauigkeit. In der Praxis rechnen sich vollautomatische Systeme bei Serienvolumina ab einigen hundert Teilen pro Schicht, wenn gleichzeitig hohe Qualitätsanforderungen gelten.

Kann ein Dosiersystem mehrere Materialien in derselben Linie verarbeiten?

Ja, mit entsprechender Systemauslegung. Mehrmaterial-Systeme oder Wechselköpfe ermöglichen den Einsatz unterschiedlicher Materialien auf einer Linie. Voraussetzung ist eine sorgfältige Auslegung der Förder-, Reinigungs- und Spülkreisläufe, um Kreuzkontamination zu vermeiden.

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Mehr Hintergrund zum Thema Automatisierungstechnik (Wikipedia).

Epoxidharz verarbeiten klingt nach einem klar definierten Prozess. In der industriellen Praxis ist es das Gegenteil: Viskosität, Mischungsverhältnis, Topfzeit und Aushärtebedingungen variieren je nach Formulierung erheblich. Wer diese Parameter nicht zuverlässig kontrolliert, riskiert Ausschuss, Anlagenausfälle oder Qualitätsmängel, die erst nach der Aushärtung sichtbar werden. Moderne Dosiersysteme müssen diese Komplexität beherrschbar machen.

Was Epoxidharze in der Verarbeitung besonders anspruchsvoll macht

Epoxidharze gehören zu den meistgenutzten Reaktionsklebstoffen und Vergussmassen in der Elektronikindustrie, im Fahrzeugbau und in der Verteidigungstechnik. Ihr Vorteil: hohe mechanische Festigkeit, gute chemische Beständigkeit und breite Formulierbarkeit. Ihr Nachteil aus Prozessperspektive: Sie reagieren empfindlich auf Temperatur, Feuchte und Verarbeitungszeit.

Die wichtigsten Herausforderungen bei der Epoxidharz verarbeitung im industriellen Maßstab:

  • Viskositätsschwankungen: Epoxidharze können je nach Formulierung und Temperatur Viskositäten von unter 1.000 mPa·s bis über 100.000 mPa·s aufweisen. Bereits eine Temperaturabweichung von 5 °C verändert das Fließverhalten messbar.
  • Begrenzte Topfzeit: Sobald Harz und Härter gemischt sind, beginnt die Vernetzungsreaktion. Je nach System beträgt die Topfzeit wenige Minuten bis mehrere Stunden. Das System muss dieses Zeitfenster zuverlässig einhalten.
  • Präzises Mischungsverhältnis: Schon geringe Abweichungen vom stöchiometrischen Verhältnis verschlechtern die Endeigenschaften: reduzierte Festigkeit, unvollständige Aushärtung oder Klebrigkeit der Oberfläche.
  • Lufteinschlüsse: Beim Mischen und Fördern entstehen leicht Luftblasen. In Vergussanwendungen führen diese zu Hohlräumen, die die Dichtheit und mechanische Belastbarkeit mindern.
  • Abrasivität gefüllter Systeme: Thermisch leitfähige Epoxidharze enthalten mineralische Füllstoffe wie Aluminiumoxid. Diese Partikel sind stark abrasiv und belasten Pumpen, Ventile und Mischköpfe erheblich.

Welche Dosiersystemkomponenten bei der Epoxidharz verarbeitung entscheidend sind

Ein Dosiersystem für Epoxidharze ist kein Standardprodukt. Es muss auf die spezifischen Materialeigenschaften des eingesetzten Systems abgestimmt sein. Die folgenden Komponenten sind dabei besonders relevant.

Materialversorgung und Förderung

Epoxidharze werden häufig in Gebinden von 20 bis 200 Litern angeliefert. Folgepressplatten oder Schneckenförderanlagen übernehmen die blasenfreie Entnahme. Bei hochviskosen Systemen ist eine beheizbare Materialversorgung notwendig, um das Material überhaupt förderbar zu machen. Gleichzeitig darf die Temperatur nicht so hoch sein, dass die Topfzeit der Komponente im Tank bereits verkürzt wird.

Für die Förderung eignen sich bei Epoxidharzen in der Regel Kolbenpumpen. Sie arbeiten volumetrisch exakt, sind robust gegenüber abrasiven Füllstoffen und ermöglichen reproduzierbare Fördermengen auch bei wechselnden Viskositäten.

Mischsystem und Mischungsverhältnis

Das Mischungsverhältnis zwischen Harz (Komponente A) und Härter (Komponente B) ist für Epoxidsysteme typischerweise im Bereich 1:1 bis 10:1 (volumetrisch). Statische Mischer arbeiten wartungsarm und eignen sich für Systeme mit ausreichender Topfzeit. Dynamische Mischer erzielen bei schwierigen Mischungsverhältnissen oder kurzen Topfzeiten bessere Homogenität.

Entscheidend ist, dass das Dosiersystem das Mischungsverhältnis kontinuierlich überwacht und bei Abweichungen sofort stoppt. Nachträgliche Korrekturen sind bei reaktiven Systemen nicht möglich.

Auftrag und Applikation

Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Applikationsformen zum Einsatz: Verguss in Gehäuse, Nahtdichtung, Klebepunkt oder Flächenauftrag. Jede Applikationsform stellt andere Anforderungen an Nadel, Ventil und Bewegungsgeschwindigkeit des Roboters. Bei niederviskosen Epoxidharzen besteht die Gefahr des Nachfließens nach dem Dosiervorgang. Hier sind Abzugsventile oder Druckentlastung im Dosierkopf notwendig.

Epoxidharz verarbeitung unter Vakuum: Wann es sinnvoll ist

Lufteinschlüsse sind bei der Epoxidharz verarbeitung ein häufiges Qualitätsproblem. Zwei Maßnahmen reduzieren dieses Risiko: Vakuumentgasung des Materials vor dem Dosieren und Verguss unter Vakuumatmosphäre.

Die Vakuumentgasung entfernt gelöste Gase aus Harz und Härter, bevor sie gemischt werden. Das ist besonders bei pastösen oder hochgefüllten Systemen relevant, da diese Luft mechanisch einschließen können.

Der Verguss unter Vakuum eignet sich für Bauteile mit komplexer Geometrie oder engen Spalten. Das Vakuum zieht das Material in alle Hohlräume und verhindert Einschlüsse zuverlässig. Der Aufwand ist höher, der Qualitätsgewinn bei kritischen Anwendungen jedoch klar messbar.

Temperierung: Warum Heizen und Kühlen beide relevant sind

Temperatur ist bei der Epoxidharz verarbeitung eine kritische Stellgröße in beide Richtungen.

Heizen ist notwendig, wenn:

  • hochviskose Harze oder Härter erst bei erhöhter Temperatur förderbar werden,
  • die Aushärtegeschwindigkeit für den Prozess zu gering ist,
  • das Bauteil eine Vorwärmung benötigt, damit das Material nicht zu früh geliert.

Kühlen ist notwendig, wenn:

  • exotherme Reaktionswärme die Topfzeit im Mischkopf verkürzt,
  • temperaturempfindliche Bauteile während des Vergusses geschützt werden müssen,
  • das Dosiersystem in einer warmen Produktionsumgebung betrieben wird.

Moderne Dosiersysteme integrieren Temperierkreise für Materialversorgung, Schläuche und Mischkopf. Die Temperaturen lassen sich je nach Systemanforderung individuell regeln.

Typische Anwendungsfelder: Wo Epoxidharz verarbeitung industriell eingesetzt wird

BrancheTypische AnwendungBesondere Anforderung
Industrielle ElektronikVerguss von Steuergeräten, SensorenBlasenfreiheit, Wärmeableitung
FahrzeugtechnikStrukturklebung, DichtungsapplikationKurze Taktzeiten, hohe Reproduzierbarkeit
Defense & SecurityVerguss sicherheitskritischer BaugruppenVollständige Rückverfolgbarkeit, Prozessdokumentation
WärmemanagementThermisch leitfähige VergussmassenAbrasionsbeständigkeit, gleichmäßige Schichtdicke
Erneuerbare EnergienVerguss von LeistungselektronikGroße Volumina, Prozessstabilität über lange Laufzeiten

Worauf Sie bei der Systemauswahl achten sollten

Die Auswahl eines geeigneten Dosiersystems für die Epoxidharz verarbeitung beginnt mit einer genauen Materialcharakterisierung. Folgende Parameter sollten vor der Systemauslegung bekannt sein:

  1. Viskosität beider Komponenten bei Verarbeitungstemperatur
  2. Mischungsverhältnis (volumetrisch und gravimetrisch)
  3. Topfzeit nach dem Mischen
  4. Füllstoffgehalt und Partikelgröße (relevant für Pumpenwahl)
  5. Aushärtebedingungen (Raumtemperatur, Wärme, UV)
  6. Dosiervolumen pro Zyklus und Taktzeit
  7. Qualitätsanforderungen (Blasenfreiheit, Dokumentation, Rückverfolgbarkeit)

Dosierversuche unter realen Bedingungen sind in dieser Phase unverzichtbar. Sie zeigen, ob das gewählte System das Material so verarbeitet, wie die Anwendung es erfordert, und decken Optimierungsbedarf auf, bevor die Anlage in den Produktionsbetrieb geht.

Häufige Fragen

Welche Pumpenart eignet sich am besten für die Epoxidharz verarbeitung?

Kolbenpumpen sind für die meisten Epoxidsysteme die erste Wahl. Sie fördern volumetrisch präzise, sind robust gegenüber abrasiven Füllstoffen und liefern auch bei hochviskosen Materialien reproduzierbare Ergebnisse. Bei sehr niederviskosen Systemen kommen alternativ Zahnradpumpen zum Einsatz.

Ab welchem Mischungsverhältnis wird die Dosierung kritisch?

Mischungsverhältnisse ab 5:1 (A:B) erfordern besondere Aufmerksamkeit bei der Systemauslegung. Die kleinere Komponente muss mit hoher Genauigkeit dosiert werden, da schon geringe absolute Abweichungen das stöchiometrische Verhältnis deutlich verschieben. Dynamische Mischer und kontinuierliche Mengenstromüberwachung sind hier empfehlenswert.

Wie lassen sich Lufteinschlüsse beim Epoxidharz verarbeiten vermeiden?

Drei Maßnahmen wirken kombiniert am zuverlässigsten: blasenfreie Materialentnahme über Folgepressplatten, Vakuumentgasung der Komponenten vor dem Mischen sowie, bei kritischen Geometrien, Verguss unter Vakuumatmosphäre. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom Bauteil und den Qualitätsanforderungen ab.

Wie lange kann ein Dosiersystem mit angemischtem Epoxidharz stehen bleiben?

Das hängt ausschließlich von der Topfzeit des eingesetzten Systems ab. Bei kurzen Topfzeiten unter 30 Minuten muss das Dosiersystem den Mischkopf nach jeder Pause automatisch spülen oder das Material aus dem Mischbereich entfernen. Ansonsten härtet das Material im Mischkopf aus und blockiert das System. Moderne Dosiersysteme überwachen die vergangene Zeit nach dem letzten Dosiervorgang und lösen bei Bedarf automatisch einen Spülzyklus aus.

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Mehr Hintergrund zum Thema Epoxidharz (Wikipedia).